Wasserfotografie: Fließendes Wasser und Spiegelungen

 

St. Augustine, FL (24mm, 1/200 Sek., f/8, ISO 500)

 

Auch wenn Wasserfälle in der Landschaftsfotografie die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen scheinen, bieten auch andere Formen von Wasser (in Bewegung und unbewegt) großartige Möglichkeiten zur Bildgestaltung. Das können fließende Bäche und Flüsse, die Gezeiten des Ozeans, ruhige Reflexionen von Gewässern aller Art und sogar nasse Strände sein, die so reflektierende Oberflächen erzeugen. Sie können in jeder Art von Landschaftsfotografie vorkommen, und eines haben sie alle gemeinsam: Sie ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters Ihres Fotos auf sich. Wenn Sie lernen, die verschiedenen Formen, in denen Wasser daherkommt, zu erkennen und sie dann gekonnt in Ihr Motiv einzubauen, können Sie Ihrem Foto besondere Schönheit und etwas geheimnisvoll Anmutendes verleihen. Denn alle Wasserbewegungen können, wenn sie von der Kamera richtig eingefangen werden, etwas herausarbeiten, das das menschliche Auge nicht wahrnimmt oder nicht sehen kann.

 

Das Meer

 

  • Die Fotografie einzelner Wellen ist eine besondere fotografische Kategorie, die ich aufgrund meiner geografischen Lage nur sehr selten fotografieren kann. Daher behandelt dieser Blogbeitrag das Thema auch nicht.
  • Ozeane haben normalerweise eine so kräftige Brandung, dass lange Belichtungszeiten das Foto sehr seltsam und unnatürlich wirken lassen.
  • Ultra-Langzeitbelichtungen erzeugen je nach Aktivität nebel- oder spiegelähnliches Wasser. Bei unruhiger See entsteht Nebel, bei ruhigerem Wasser eine spiegelähnliche Oberfläche.
  • Eine kürzere Belichtungszeit lässt das Wasser natürlich aussehen und macht es oft zu einem sekundären Motiv der Szenerie und nicht zum Hauptmotiv.
  • Eine kürzere Belichtungszeit scheint die Kraft einer so großen Wassermasse zu zeigen.
  • Eine kürzere Belichtungszeit fängt die Bewegung des Wassers ein.
  • Eine kürzere Belichtungszeit friert verschiedene Bereiche im Wasser ein und erzeugt so unterschiedliche Lichtreflexe.

 

Meeresbrandung

 

  • 3 Sekunden – Sehr dynamisch, tolle Zeichnung, aber dennoch fließend
  • 4 Sekunden – Glattere, aber dennoch dynamische Aufnahme mit etwas Zeichnung
  • 25 Sekunden – Nebel- oder Ghosting-Effekt

 

 

Reynisdranger, Iceland (24mm, 5 sec., f/13, ISO 100)

 

Brandung – von der Seite

 

Eine sich bewegende Brandung kann je nach Strand einige sehr interessante Bildeffekte mit sich bringen. An flachen Stränden kann man die Wellenbewegung bei einer Langzeitbelichtung fast wie einen Teppich darstellen. Nehmen Sie sich vor Ihrer Aufnahme etwas Zeit, den Winkel, in dem die Wellen auf den Strand treffen, und die Zeit abzuschätzen, die die Welle braucht, um auf den Strand zu schlagen und sich wieder zurückzuziehen.

 

  • Passen Sie die Welle kurz vor ihrem höchsten Punkt ab und fotografieren Sie sie, wenn sie sich zurückzieht.
  • Suchen Sie Strände mit geringer oder minimaler Brandung. So können Sie vermeiden, dass die ankommenden Wellen mit der zurückweichenden Brandung kollidieren.
  • Suchen Sie nach flachen Stränden, die einen langen „Teppich“ ermöglichen.
  • Fotografieren Sie in einem Winkel, bei dem die Oberkante der Welle eine Führungslinie in das Bild hinein und nicht aus dem Bild heraus darstellt.
  • Die Belichtungszeiten variieren, aber für Belichtungen von 1-4 Sekunden ist in der Regel ein ND-Filter nötig.
  • Ein Stativ und ein Fernauslöser sind für die Langzeitbelichtung und das Timing der Wellen auf ihrem Höhepunkt erforderlich.

 

 

St Augustine, FL – (16mm, 2.6 sec., f/14, ISO 50)

 

Brandung – von hinten

 

  • Das Fotografieren sich bewegender Wellen von hinten kann dramatische Führungslinien erzeugen.
  • Wenn Sie mit einem extremen Weitwinkel eine tiefere Position einnehmen, wird die Größe und die Kraft der Welle übertrieben dargestellt.
  • Wie bei den Bildern von der Seite, sollten Sie Wellen einfangen, wenn sie zurückweichen, um die Streifen des zurückweichenden Wassers festzuhalten.
  • Auch ankommende Wellen können dramatische Bildelemente sein, da sie Kreise und kleine Wasserfälle über Felsen oder anderen Objekten ermöglichen.
  • Wellen laufen doppelt so schnell auf den Strand zu wie sie wieder ablaufen.
  • Passen Sie die Verschlusszeit an die Länge der ankommenden oder abfließenden Wellen an, So können Sie vermeiden, dass unterschiedlichen Brandungsmuster kollidieren.

 

 

Jokulsarlon, Iceland – (29mm, 2.2 sec., f/16, ISO 50)

 

Brandung – um Objekte herum

 

  • Fließendes Wasser um Objekte am Strand kann interessante Linien und Muster erzeugen.
  • Selbst kleine Wellen können schöne Reflexionen und versetzte Wellenlinien erzeugen.
  • Wenn man eine tiefe Position bezogen hat, erscheinen kleinere Objekte in der Szenerie dominanter.
  • Hier gibt es nicht viele Regeln, es geht vor allem um Komposition und Experimentieren.

 

Jekyll Island, GA (16mm, 1/40 sec., f/8, ISO 320)

St. Augustine, FL (75mm, 1/80 sec., f/8, ISO 125)

Brewster, MA (24mm, 1.6 sec., f/18, ISO 400)

 

Wasser – Führende Linien

 

  • Nutzen Sie die Brandung und die Reflexionen, um Führungslinien zu erzeugen.
  • Achten Sie darauf, dass die Linien den Betrachter nicht vom Bildmittelpunkt wegführen.
  • Richten Sie das Wasser so aus, dass der Blick des Betrachters auf den zentralen Punkt Ihres Bildes gelenkt wird.
  • Wenn Sie Wellen von der Seite fotografieren, können Sie wunderbare Führungslinien in einer Landschaftsaufnahme erzeugen.
  • Priele und Sandbänke eignen sich besonders gut als Führungslinien.
  • Richten Sie den Sand und das Wasser so aus, dass sie zum wichtigsten Punkt im Bild führen.
  • Achten Sie auch auf Reflexionen, um das Bild interessanter zu gestalten.

 

 

Bear Den Falls, Massachusetts (16mm, 15 sec., f/16, ISO 100)

 

Nicht wahrnehmbare Bewegungen im Wasser

 

  • Kameras können Bewegung von Wasser oder Gegenständen im Wasser in einer Langzeitbelichtung einfangen, die das Auge gar nicht erst wahrnimmt.
  • Bewegung kann einem ansonsten durchschnittlichen Bild Dramatik und Emotion verleihen.
  • Betrachten Sie Teiche, Priele, Bäche und Flüsse als mögliche Quellen für ungewöhnliche Szenerien, bei denen Wasserbewegung für das gewisse Etwas im Bild sorgen kann.
  • Verwenden Sie Neutraldichtefilter, um die Bewegung zu verlangsamen, und wenn die Wasseroberfläche glatt ist, probieren Sie Verschlusszeiten von bis zu 30 Sekunden, um alles, was sich in der Szene bewegt, sichtbar zu machen.
  • Experimentieren Sie, experimentieren Sie, experimentieren Sie.

 

West Boylston, MA (125mm, 1/80 sec., f/8, ISO 200)

Eaton, NH (140mm, 1/80 sec., f/11, ISO 200)

Rockport, ME (91mm, 1/80 sec., f/11, ISO 320)

 

Ruhende Gewässer

 

Für eine perfekte Reflexion muss es windstill sein. Wenn das Wasser ruhig ist, versuchen Sie, den Horizont durch die Mitte zu ziehen, so wie es das Auge gewohnt ist:

 

  • Symmetrie
  • Spiegelbild
  • Verzerrung

 

Bei Windstille bleibt der morgendliche Dunst/Nebel erhalten. Bei leichtem Wind kann ein ND-Filter verwendet werden, um das Wasser zu glätten, vorausgesetzt, es bewegt sich nichts in der Szene.
 

Auch bei einer leichten Brise lassen sich erstaunliche Spiegelungen mit einer interessanten Verzerrung erzielen. Achten Sie bei allen schwimmenden Objekten darauf, dass die Verschlusszeit lang genug ist, dass sie scharf bleiben – 1/80 Sekunde ist ein guter Ausgangspunkt.
 

St. Augustine, FL – (16mm, .8 sec., f/16, ISO 100)

Falmouth, MA – (16mm, .8 sec., f/16, ISO 100)

 

Ruhiges Wasser

 

  • An Küstenstandorten kann ruhiges Wasser an stark bewölkten Tagen einen „schwimmenden“ Effekt für Boote oder andere Objekte erzeugen.
  • Bei Nebel oder Dunst kann die Horizontlinie unsichtbar werden.
  • Es muss windstill sein, damit kurze Verschlusszeiten für gestochen scharfe Boote möglich sind.

 

 

Lost Lake, OR- (14mm, 30 sec., f/2.8, ISO 6400)

 

Ruhiges Wasser bei Nacht

 

  • Lassen Sie ruhiges Wasser bei Nacht nicht außer Acht.
  • In der Astrofotografie lassen sich hervorragend die Reflexion von Sternen und der Milchstraße ablichten.
  • Selbst bei vollkommen ruhigem Wasser kommt es aufgrund der langen Verschlusszeiten zu einer gewissen Verzerrung.

 

 

Old Orchard Beach, ME (44mm, .5 sec., f/8, ISO 50)

 

Wasser -Flache Strände

 

  • Suchen Sie gezielt nach flachen Stränden wie Old Orchard
  • Fotografieren Sie kurz vor Ebbe, wenn die Brandung zurückgeht und der Strand noch wasserdurchtränkt ist.
  • Fotografieren Sie vor Sonnenaufgang, um die Farbtöne zwischen Strand und Himmel auszugleichen.

 

Filter

 
Polfilter – Nasse Objekte neigen dazu, Spiegelungen und Reflexionen zu erzeugen. Dies stellt vor allem bei Wasseraufnahmen ein Problem dar, da die Felsen und die Vegetation in der Nähe des Wassers nass sind und zusammen mit dem Wasser mit ziemlicher Sicherheit jede Menge Reflexionen verursachen. Ein Polfilter beseitigt diese ungewollten Komponenten. Darüber hinaus hat ein Polfilter noch einen zweiten Effekt: er verbessert die Farbsättigung der Szenerie.

 

Neutraldichte (ND)-Filter – Da die Verschlusszeit entscheidend sein kann, um das gewünschte Aussehen von bewegtem und stehendem Wasser zu erzielen, ist es wichtig, einen Satz ND-Filter mit 3 und 6 Blendenstufen zu haben, mit denen Sie die in das Objektiv einfallende Lichtmenge reduzieren können. Auf diese Weise können Sie auch in der hellsten Zeit des Tages mit längeren Verschlusszeiten arbeiten.

 

ND Grauverlaufsfilter – Eine der größten Herausforderungen beim Fotografieren von Landschaften, insbesondere während der goldenen Stunde, ist der große Dynamikbereich der Szenerie. Landschaften bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang können von den dunkelsten bis zu den hellsten Farben bis zu 20 Blendenstufen aufweisen. Normale Kameras haben einen Dynamikumfang von 13 bis 15 Stufen. So kann ein ND-Verlaufsfilter den Dynamikbereich der Szene einschränken und den sonnigen Bildbereich um einige Blendenstufen abdunkeln, so dass Sie das gesamte Lichtspektrum besser eingefangen können.

 

Magnetische Filter – Eine revolutionär schnelle Art, seine Filter zu montieren

 

  • Kein Streulicht
  • Sofortiges Montieren in einer 1/4 Sekunde
  • Zwei Filter können ohne Vignettierung bis zu 16 mm angebracht werden
  • Leichtgängige Drehung des Adapterrings zur Einstellung des CPL
  • Kann zusammen mit einer Halterung für ND-Grauverlaufsfilter verwendet werden

 

Kleidung

 

Wathosen – Ein ungewöhnliches Thema für diese Reihe von „Best Practices“, aber ich habe jahrelang am Wasser fotografiert und zwar meistens vom Ufer aus. Manchmal war das großartig, aber in anderen Fällen konnte ich konnte ich den perfekten Winkel nicht einnehmen, oder es waren Büsche oder Bäume im Weg. Schließlich kaufte ich mir ein Paar Wathosen und fühlte mich sofort nicht mehr in meiner Bewegung eingeschränkt. Es gibt nichts Besseres, als in die Brandung oder in einen flachen Teich hinein zu gehen und genau die Perspektive einnehmen zu können, die mein Bildaufbau erfordert. Ich mag Wathosen lieber als wasserdichte Stiefel und/oder Socken, da ich mich bequem bis Taillenhöhe anstatt nur bis zum Knie im Wasser bewegen kann. Diese Hosen sind auch in vielen anderen Situationen von unschätzbarem Wert.

 

Wasserdichte Kleidung – Wenn Sie regelmäßig am Wasser fotografieren, sollten Sie in eine gute wasserdichte Jacke sowie schnell trocknende Hemden, Hosen, Socken und wasserdichte Stiefel investieren.

 

Schutz des Kamera-Equipments

 

  • Beim Fotografieren lasse ich den Gurt immer an meiner Kamera und lege ihn mir um den Hals, sobald ich meine Position eingenommen habe, für den Fall, dass das Stativ umkippt.
  • Ich benutze zwar normalerweise keine Kamerahülle, habe aber unzählige Mikrofasertücher dabei, um die Kamera und das Objektiv vor Wasser zu schützen und meine Ausrüstung regelmäßig abzuwischen, ganz besonders in der Nähe von Salzwasser.
  • Ich habe einen kleinen tragbaren Regenschirm dabei, um die Kamera vor Spritzwasser zu schützen oder für den Fall, dass es regnet.
 
 

Über den Autor – David Long

 

Ich lebe in Massachusetts, bin seit zehn Jahren professioneller Landschaftsfotograf und leite Workshops in ganz New England. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte https://www.bluehourboston.com/

 

Ich habe folgende eBooks veröffentlicht:

  • FALL FOLIAGE LANDSCAPE PHOTOGRAPHY IN NEW ENGLAND
  • CREATING LANDSCAPE IMAGES
  • CENTRAL VERMONT - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • BOSTON - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • NORTHEASTERN VERMONT - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • WHITE MOUNTAINS - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • CENTRAL MASSACHUSETTS - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • LOWER CAPE COD - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • PROVINCETOWN - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • SAINT AUGUSTINE - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
 

Alle zum Kauf erhältlichen eBooks und Drucke finden Sie unter www.davelongphoto.com. Folgen Sie mir gerne auch auf www.instagram.com/davidlong3653